Wenn ein Unternehmen über den Abschied von Google Analytics nachdenkt, steckt fast immer einer von drei Gründen dahinter, oft auch alle drei zusammen. Es lohnt sich, sie zu kennen, weil sie auch die Entscheidung beeinflussen, wohin migriert werden sollte.
Erstens: die rechtliche Unsicherheit
Nach dem EuGH-Urteil "Schrems II" (C-311/18, 2020) stand der Einsatz von US-basierten Tracking-Tools unter erheblichem Rechtfertigungsdruck. Mehrere europäische Datenschutzbehörden, etwa die österreichische DSB, stuften den Einsatz von Google Analytics 2022 als unzulässig ein. Mit dem EU-US Data Privacy Framework wurde 2023 zwar eine neue rechtliche Grundlage geschaffen, deren Bestand jedoch nicht abschließend gesichert ist. Für viele Unternehmen ist diese Daueranspannung der Hauptgrund: Sie wollen nicht jedes Jahr aufs Neue prüfen müssen, ob ihr Analytics-Setup noch rechtssicher ist.
Zweitens: der Datenverlust durch Consent-Banner
Das ist der am meisten unterschätzte Grund. Google Analytics 4 darf in der EU in den meisten Konstellationen nur mit Einwilligung betrieben werden – also mit Cookie-Banner. In der Praxis klicken aber nur 40 bis 60 Prozent der Besucher auf "Akzeptieren". Der Rest bleibt für GA unsichtbar. Das bedeutet: Deine Entscheidungen basieren auf der Hälfte deiner tatsächlichen Besucher. Alternativen wie etracker und Matomo bieten einwilligungsfreie Tracking-Modi, die – bei sauberer Konfiguration – einen Großteil der Besucher erfassen können. Der Unterschied ist nicht „etwas mehr Daten", sondern eine grundlegend andere Datenqualität
Drittens: die fehlende Datenkontrolle
Bei Google Analytics liegen deine Daten auf Google-Servern und werden für Googles eigene Modelle genutzt. Direkten Zugriff auf die Rohdaten bekommst du nur über den BigQuery-Export. Für Unternehmen in regulierten Branchen oder mit strengen internen Datenschutz-Richtlinien ist das ein echtes Problem. Eine selbst gehostete Matomo-Instanz oder das deutsche etracker-Hosting geben die Kontrolle zurück.
Diese drei Gründe gelten nicht für jedes Unternehmen gleich stark. Genau deshalb beginnt jede Migration bei mir mit der Frage, welcher dieser Gründe für dich am schwersten wiegt, denn das beeinflusst die Tool-Wahl maßgeblich.





