Die klassische Tracking-Architektur funktioniert seit zwei Jahrzehnten gleich: Ein JavaScript-Snippet im Browser des Nutzers sammelt Daten und schickt sie direkt an Analytics-Tools, Conversion-Pixel und Werbe-Plattformen. Dieses Modell ist aus mehreren Gründen am Ende seiner Lebensdauer.
Browser Blocking
Erstens blockieren immer mehr Browser standardmäßig Tracking-Skripte. Safari mit Intelligent Tracking Prevention (ITP), Firefox mit Enhanced Tracking Protection, Brave und neuerdings auch Edge in restriktiven Modi. Hinzu kommen Adblocker, die laut Bitkom-Studie zur Internet-Nutzung inzwischen von einem erheblichen Teil der deutschen Internet-Nutzer eingesetzt werden.
Direkte Weitergabe der Daten an nicht EU-Länder
Zweitens verlangen Datenschutzbehörden zunehmend, dass personenbezogene Daten nicht direkt an Drittanbieter in Drittländern fließen. Nach dem EuGH-Urteil "Schrems II" und der nachfolgenden Praxis der deutschen Datenschutzaufsichten (siehe etwa die Beschlüsse der Datenschutzkonferenz) ist eine direkte Browser-zu-US-Anbieter-Verbindung in vielen Fällen kritisch.
Webseitenperformance
Drittens verlangsamt Client-Side-Tracking deine Website. Jedes externe Skript ist ein zusätzlicher Request, ein zusätzlicher Render-Block, ein zusätzlicher Punkt für Core Web Vitals.Server-Side-Tracking und Tracking-Domains adressieren alle drei Punkte gleichzeitig. Statt direkt aus dem Browser zu senden, geht die Tracking-Anfrage zunächst an deinen eigenen Server oder wird über eine Sub-Domain weitergeleitet.
Je nach verwendetem Tag Manager werden die Daten geprüft, ggf. anonymisiert oder gefiltert, und erst dann an die Zielsysteme weitergeleitet. Aus Sicht des Browsers ist es nur ein weiterer Request an deine eigene Domain, das bedeutet Adblocker greifen seltener, ITP-Beschränkungen entfallen, und du behältst die Kontrolle über das, was nach außen gesendet wird.
Irrglaube Server-Side-Tracking sei Einwilligungsfrei
Ein weit verbreiteter Mythos ist der Irrglaube, dass Server-Side-Tracking keiner Einwilligung bedarf. Auch hier kommt es darauf an, welche Informationen erhoben und an welche Instanz weitergeleitet werden. Nur weil ein Server als Mittelsmann dient, bedeutet das nicht automatisch, dass die Daten nicht trotzdem an eine Firma außerhalb der EU geschickt oder durch Drittfirmen verarbeitet werden. Beides bedarf definitiv der Einwilligung des Webseitenbesuchers!
In meinen letzten Projekten habe ich diese Umstellung mehrfach durchgeführt. Typische Effekte: 10 bis 30 Prozent mehr erfasste Conversions, deutlich reduzierte JavaScript-Last auf der Webseite, und – nicht zu unterschätzen – ein DSGVO-Audit, das deutlich leichter zu führen ist.