Wer in einem mittelständischen Unternehmen "Web Analytics" sagt, meint meistens das eingesetzte Tool: Google Analytics 4, etracker, Matomo. Diese Verkürzung ist verständlich, aber sie ist auch die Wurzel des Problems, das ich in fast jedem Erstgespräch sehe. Web Analytics ist keine Software. Es ist eine analytische Disziplin, die Software nutzt, aber genauso analytisches Denken, sauberes Tracking und vor allem die Fähigkeit, aus Zahlen Geschäftsfragen zu beantworten.
In der Praxis bedeutet das: Ein Unternehmen kann das beste Tool der Welt installiert haben und trotzdem keinen Mehrwert daraus ziehen, weil niemand weiß, welche Fragen überhaupt gestellt bzw. beantwortet werden sollen. Umgekehrt habe ich KMU gesehen, die mit einem einfachen Matomo-Setup und einem guten Analytics-Verantwortlichen mehr Erkenntnisse generieren als Konzerne mit sechsstelligen Tool-Budgets.
Der Unterschied liegt in einer einfachen, oft übersehenen Reihenfolge: Frage → Daten → Tool. Nicht umgekehrt. Wer ein Tool kauft, ohne zu wissen, welche Fragen es beantworten soll, baut sich ein teures Datengrab. Wer Fragen formuliert, dann die nötigen Daten definiert und erst dann das passende Tool wählt, bekommt eine Analyse, die zu echten Entscheidungen führt.
Dieses Prinzip klingt ggf. etwas akademisch. In der Praxis verändert es den ROI eines Analytics-Setups jedoch grundlegend.






